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2*2 - ZWEI Stricherl zum zweiten Mal

#JUNOBlog

 

von Marli Silram

Den ersten Überraschungstest mit zwei Stricherl hab ich vor ziemlich genau 5 Jahren in den Händen gehalten. Das war eine Überraschung und eine Freude. Das Ergebnis von damals: Meine heute 4-jährige, bezaubernde Tochter.

Den zweiten Überraschungstest mit zwei Stricherl hab ich vor circa 14 Tagen in den Händen gehalten. Das Ergebnis: Eine Infektion mit dem Coronavirus.

 

Gebeutelt von drückenden Kopfschmerzen im Stirnbereich, immer wiederkehrender Übelkeit und Wellen von Kalt- und Warmphasen wache ich frühmorgens auf und kann nicht mehr schlafen.

Eine Weile quäle ich mich so im Bett. Sofort schießt`s mir durch den Kopf: Corona. Der Antigenschnelltest zeigt 1 Stricherl, also doch kein Corona. Versuche weiter zu schlafen und muss mich zwischendurch übergeben. Die Frage, wer wohl mein Kind in den Kindergarten bringen kann, damit ich das Bett hüten darf, drängt sich auf.

Der Babysitterin hab ich schon eine Anfrage geschickt, ob sie meine Tochter von dort abholen kann.

Frühmorgens, meine Tochter ist wach, wir sind in der Küche. Mein Blick fällt auf den

Antigenschnelltest, der noch da liegt - hoppla, das zweite Stricherl ist in der Zwischenzeit

aufgetaucht. Also doch Corona. Kurzer Moment des Schreckens. Tausend Gedanken. Ich versuche der Angst wenig Raum zu geben, das Virus anzunehmen und mich der Erkrankung „hinzugeben“. Geimpft bin ich nicht.

 

So zieh ich mich wieder ins Bett zurück und werde immer wieder zum Aufstehen gezwungen, die Übelkeit bricht aus. Meine Tochter ist tapfer. Sie begleitet mich und verweilt mit mir im

Krankenbett. Nach einigen Telefonaten mit der Arbeitsstelle und den Letztkontakten und einem noch ausstehenden PCR-Testergebnis vom Vortag fällt der Entschluss, noch einen Gurgeltest zu

machen, auch für meine Tochter. Mit aller Kraft schaff ich es, die Tests im nächstgelegenen

Supermarkt abzugeben. Kaum sind wir wieder zu Hause, muss ich mich wieder übergeben. Dann endlich darf Ruhe einkehren. Alles Organisatorische ist erledigt. Das war schon Tag 2.

 

Tag 1: Donnerstag. Symptomlos, unwissend positiv. Alltag. Einige Male entwischt mir ein merkwürdiger, trockener Husten während einer Arbeitskonferenz (Komisch, denke ich, hab ich sonst nie...).

 

Tag 2: Freitag. Das Bett wird gehütet, viel geschlafen. Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, allgemeine Schwäche. Kein Hunger, kein Durst. Mein Kind schläft auch viel, beschäftigt sich, gibt mir Raum für mich. Langer Mittagsschlaf. Die größte Herausforderung des Tages – ein Essen zubereiten für meine Tochter. Die Nachricht, dass wir eine Weile nicht mehr rausgehen dürfen, weder in den Kindergarten, noch Freunde treffen, trifft auf eine geballte Emotion und auf großes Entsetzen.

Ein Arzt gibt mir ein paar Tipps - tägliches Inhalieren, die Einnahme eines homöopathischen Arzneimittels und eines Probiotikums zur Stärkung des Darmtraktes.

 

Tag 3: Samstag. Das Bett wird immer noch gehütet. Kopfschmerzen und Übelkeit sind am Abklingen. Der Hunger kommt am späten Nachmittag langsam zurück.

Meine Tochter döst und schläft, spielt und beschäftigt sich recht gut. Langer Mittagsschlaf. Das Entsetzen über „Wir dürfen nicht rausgehen“ klingt langsam ab. Eine Freundin bringt ein Essen für meine Tochter und ein paar Einkäufe.

 

Tag 4: Sonntag. Kopfschmerzen und Übelkeit sind verschwunden. Dafür sind die oberen Atemwege verschleimt. Ich habe „die Nase voll“. Ohne Ankündigung, ohne Rotz, einfach so. Liege viel im Bett, auf der Couch. Meine Tochter beschwert sich kaum. Langer Mittagsschlaf.

Wir kochen Gemüsesuppe. Ich schmecke bzw. rieche nicht mehr viel.

 

Tag 5: Montag. Die verstopfte Nase ist noch da, begleitet von einem lockeren Husten in den

Morgenstunden. Ich habe wieder mehr Energie. Und große Lust auf Aufräumen. Das geht einige Stunden gut so. Dann ist wieder mehr Ruhe angesagt, die Energie ist aus.

Eine Freundin bringt Mittagessen. Ich rieche bzw. schmecke noch ein kleines bisschen. Langer Mittagsschlaf. Wir malen und basteln.

 

Tag 6: Dienstag. Wir schlafen sehr lang. Die Nase ist immer noch verstopft und ein leichter Husten ist da. Ich rieche und schmecke nichts mehr. Wir spielen und malen und machen einen langen Mittagsschlag. Der Vater meiner Tochter versorgt uns mit ein paar Dingen.

 

 

Tag 7: Mittwoch. Wieder schlafen wir recht lang am Vormittag. Frühstück um 9.00 Uhr.

Ich schmecke zwar nichts, doch hab ich Hunger. Der erste „Ausgang“ - wir bringen den Müll in den Container vorm Haus und holen die Post aus dem Postkasterl. Nach drei Stockwerken hab ich fast keine Puste mehr (überhaupt mit Maske). Ich bin müde und lege mich am späten Vormittag ins Bett. Meine Tochter gesellt sich zu mir. Wir machen einen verfrühten, langen Mittagsschlaf.

 

Tag 8: Donnerstag. Ausschlafen bis in alle Ewigkeit. Frühstücksbrei, der leider immer noch nach nichts schmeckt. Ich versuche es mit einer Tasse Kaffee, macht auch keinen Spaß. Ich erledige

einige Arbeiten am Laptop. Leider nicht einfach, meine Tochter will ganz in meiner Nähe sein.

Dann steht Papierschöpfen an. Der Brei wird püriert und vorbereitet. Den ganzen Nachmittag sind wir mit dem Papierschöpfen beschäftigt. Der Mittagsschlaf fällt aus.

 

Tag 9: Freitag. Langes Ausschlafen. Nach dem Mittagessen würd ich wieder gern schlafen, meine Tochter erlaubt es mir diesmal nicht. Heut ist wieder Maltag. Wir malen und telefonieren mit Oma. Eine Freundin bringt mir ein paar Einkäufe. Es gibt Lebkuchen und Mandarinen, so eine Überraschung.

 

Tag 10: Samstag. Langes Schlafen am frühen Morgen. So langsam wird’s zäh immer im Haus zu sein.

Draußen scheint die Sonne. Ich trinke Kaffee. Ein kleines, kleines bisschen kann ich wieder schmecken. Bin immer noch verschleimt und muss vor allem morgens husten.

 

Tag 11: Sonntag. Wir schlafen bis 8.30 Uhr. Zum Frühstück gibt es Getoastetes. Es geht mir schon wieder recht gut. Die Verschleimung ist am Abklingen. Ein leichter Husten am Morgen ist noch da.

 

Tag 12: Montag. Der Tag vor dem großen Freitest-Tag. Ich bin wohlauf. Wir schlafen, wir malen, wir kochen, wir essen. Leider kann ich noch immer erst einen Bruchteil riechen/schmecken. Die Verschleimung ist fast abgeklungen.

 

Tag 13: Dienstag. Der Tag der Tage- wir testen uns frei. Der erste Ausflug nach 12 Tagen, wir geben unseren PCR-Test in der nächst gelegenen Abgabestelle ab. Wie aufregend die Welt da draußen. Wir sind dann wieder Zuhause, wir malen und genießen den letzten Haustag. Ich komme leicht ins

Husten, wenn ich mich zu sehr anstrenge oder lache…

 

Tag 14: Mittwoch. Das Ergebnis ist da. Wir sind negativ und wieder frei. Ein eigenartiges Gefühl, so ganz legal wieder nach draußen zu dürfen, sich frei bewegen zu können, einkaufen gehen….Und dann, das erste Mal im Wald spazieren gehen. Oh, wie schön ist das. Das hab ich am allermeisten vermisst. Den Zugang zur Natur.

 

Corona ist geschafft, die Zeit verflogen, vieles haben wir erlebt. Auch sehr viele zeitlose Qualitäten

wiederentdeckt, insbesondere die Langsamkeit, die Ruhe, ja beinah auch die lange Weile.

 

 

gefördert aus den Mitteln des Sozialministeriums